Argumente zur Schule   –  Kritische Gedanken zur Schule und ihrem Lernstoff

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Rhetorik

Von der geheimnisvollen Macht der Rede

Wagner:
Allein der Vortrag macht des Redners Glück:
Ich fühl es wohl, noch bin ich weit zurück.

Faust:
Such er den redlichen Gewinn!
Sei er kein schellenlauter Tor!
Es trägt Verstand und rechter Sinn
mit wenig Kunst sich selber vor.

1. Die Macht der Rede ist, wenn (fast) keiner sie durchschaut?

„Sobald der Mensch spricht, hält er eine Rede.“ [1] Wer hätte das gedacht? So jedenfalls beginnen Bücher über Rhetorik, um mit der Tragweite ihres Fachs zu beeindrucken. Dabei fällt dem Autor an seiner Übertreibung gar nicht auf, dass, wäre wirklich schon jedes Gelaber Rhetorik, man nicht wüsste, wieso man dafür eigens was studieren sollte. Andererseits wird der eigene Spruch wieder nicht so ernst genommen und gleich danach behauptet, dass man die Rhetorik als eine höchst eigene Kunst durchschauen lernen müsste:

„In diesem Buch lernen Sie (…) Reden zu analysieren und zu interpretieren, also zu durchschauen. Und wozu soll das gut sein? Machen Sie sich doch nur einmal klar, wieviel Leid der Menschheit erspart geblieben wäre, wenn mehr Menschen die Reden eines Mussolini oder Hitler durchschaut hätten! Wer aber garantiert, dass nicht auch in Zukunft immer wieder Demagogen auftreten werden, die mit ähnlichen Rattenfängermethoden arbeiten? Sie fragen jetzt vielleicht: Aber die Mehrheit der Redner verdient doch Vertrauen? Warten Sie es ab! Vielleicht werden Sie sich noch wundern, wie selbst die Reden scheinbar vertrauenswürdiger Personen bei genauer Betrachtung oft voll sind von Schlichen und Winkelzügen.“ [2]

Dass es der Deutschlehrer unter dem „Leid der Menschheit“ nicht macht, nehmen wir mal als berufsbedingte Hyperbel. Das so kritische Anliegen aber verdient es, die empfohlene „genaue Betrachtung“ gleich mal auf seinen eigenen Wortlaut anzuwenden: Wie selbstverständlich unterstellt der Vertreter der rhetorischen Interpretation, dass der Erfolg der (in dem Fall faschistischen) Staatsführer beim Staatsvolk daran gelegen habe, dass es die Reden der Politiker nicht „durchschaut“ habe. Das ist seltsam, weil doch nahe läge, den Applaus der Zuhörer auf Einverständnis und nicht auf Unverständnis zurückzuführen. Einerseits verdankt sich diese paradoxe Behauptung der (schon aus dem Geschichtsunterricht bekannten) Absicht, besagtes Deutschvolk aus der Schusslinie zu nehmen. Diese Inschutznahme des Volks (das angeblich nichts kapiert habe) ist, nebenbei gesagt, eine Beschimpfung desselben, was den Freund der Rhetorik allerdings nicht zu stören scheint. Er will nämlich darauf hinaus, dass es an den „Rattenfängermethoden“ gelegen haben muss, wenn die an sich braven Ratten ihren bösen Verführern gefolgt sind.

Andererseits kann man – wie das Ende des Zitats zeigt – die Rattenfänger auch beiseite lassen und bekommt mit dem Stichwort „Methoden“ die zentrale Weichenstellung jeder rhetorischen Deutung vorgesetzt. Ihre Sache ist nie der Inhalt als solcher, den der Redner seinem Publikum plausibel machen will, sondern die angebliche Methode, diesen Inhalt so zu verpacken, dass er beim Zuhörer Wirkung zeigt, und zwar ohne dass der es so recht wahrnimmt.

Auffällig, dass die, die der Rhetorik diese magische Macht des Worts unterstellen, dieser Macht selbst gerade nicht unterliegen. Seinem rhetorisch geschulten Durchblick will es der Deutschlehrer nämlich verdanken, dass er den angeblich geheimen Künsten auf die „Schliche“ kommt. Wir wollen das zuerst an einem Rede-Beispiel prüfen.

2. Ein kleines Wir und seine große Wirkung?

Gerade unser kritischer Deutschlehrer wird sich hüten, etwa deutsche Bundespräsidenten als Rattenfänger zu denunzieren. Gleichwohl sollen auch deren Reden voller virtuoser und trickreicher Kunstgriffe sein, die dem Schüler erst einmal als solche auffallen sollen, wenn er etwa – Originalton Weizsäcker – liest:

„Wir lernen aus unserer eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders und besser geworden. Es gibt keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit – für niemanden und für kein Land! Wir haben als Menschen gelernt, wir bleiben als Menschen gefährdet.“ [3]

Doch nehmen wir die Redepassage für einen Moment ganz ohne rhetorische Bildung: Was ist Sache? Der oberste Repräsentant der Nation betreibt hier so genannte Vergangenheitsbewältigung, die für die Deutschen wegen des besiegten faschistischen Vorgängerstaates immer als etwas heikle Übung gilt. Und was fällt Herrn W. zum Thema Nazis ein, eine Kritik des Nationalismus etwa? Im Gegenteil benutzt er es, um seinerseits ein nationales Wir zu strapazieren, das jeden Unterschied und Gegensatz in der so angesprochenen Gesellschaft ignoriert, theoretisch tilgt. Der Mensch kommt soweit nur als Angehöriger des nationalen Kollektivs zur Sprache, denn wieso könnte man sonst eine Geschichte, die der Großteil der Zuhörer nicht mal miterlebt hat, als seine eigene auffassen? Umgekehrt erscheint Weizsäckers Nation nur als Plural von Mensch überhaupt: nicht als Faschist oder Mitläufer, Kapitalist oder Arbeiter, Politiker noch Regierter, nicht einmal als Deutscher oder Franzose, sondern als ziemlich nackte Abstraktion von all dem. So soll man den Nazistaat als einen Sündenfall der leider „unvollkommenen“ Kreatur Mensch ansehen. Andererseits schimmert durch dieses Geistersubjekt namens „der Mensch“ sogleich wieder seine Nationaluniform: Mit dem Menschen schlechthin und der ihm angetragenen Demut bereitet der deutsche Präsident nämlich die Warnung vor, dass bitte sehr „kein Land“ uns wegen unseres deutschen Malheurs verurteilen soll. Zumal es deutsche Menschen wie er sind, die von der eigenen Geschichte genau das „lernen“ (um aus dem schlechten Gewissen endlich ein gutes zu machen). Soweit die ungebildete Beurteilung.

Im Deutschunterricht läuft das anders ab: Für den Schüler heißt es erst mal Stilmittel suchen. Diese haben entsprechend der antiken Herkunft der Redekunst schwierige griechische Namen und stellen soweit die eher noch sachliche Seite des Lernstoffs dar.

Beim oben zitierten Rede-Beispiel muss zuerst also z. B. bemerkt werden, dass das Pronomen wir an diversen Satzanfängen wiederholt wird und eine Anapher ist. Als Nicht-Rhetoriker könnte man dazu Wird schon so sein oder Na und? sagen oder man könnte die penetrante Wiederholung des „wir“ eben mit dem Nationalismus des Redners erklären, der dieses nationale Wir-Gefühl mobilisieren will. Und, was die Wirkung des Stilmittels betrifft, hinzusetzen: Wer die erbärmliche Logik dieser nationalen Gewissenspflege, sprich den Inhalt der Rede durchschaut hat, den wird es auch wenig beeindrucken, wenn der Redner wiederholt mit seinem Wir nervt.

Allerdings besteht man so kein Abitur. Dazu muss schon das Wort wir als raffinierter rhetorischer Kunstgriff gewürdigt werden, was sich etwa so liest:

„Der Redner will eine Wir-Gruppe bilden, die mit positiven Eigenschaften besetzt ist“ [4] und „die Untersuchung des Pronomens ‚wir‘ macht die unausgesprochene(!) Vereinnahmung des Publikums klar (…): der Redner und alle Angesprochenen“ [5].

So kann man über politmoralische Botschaften an die Nation (deren Güte für Lehrer und Schulbücher offenbar fraglos ist) auch sprechen und sie auf ein psychologisches Stilmittel zusammenkürzen. Dass ein staatlicher Zwangsverband wie die deutsche Nation eine „Wir-Gruppe“ mit „positiven Eigenschaften“ ist, ist nicht nur vom Sozialkundeunterricht, sondern überhaupt dank der öffentlichen Geistespflege so selbstverständlich als inhaltliche Vorgabe abrufbar, dass man es als Methode rhetorischer Gemütssteuerung fassen und darüber lässig hinweginterpretieren kann.

Doch zum Kunstgriff selbst, worin soll er bestehen und wie seine Wirkung entfalten? Darin, dass der Redner eine Gemeinsamkeit mit der Zuhörerschaft herstellt, aber diese raffinierterweise nicht ausspricht. Das ist eine reine Erfindung des Redenanalytikers. Man fragt sich schon, was der Redner hier eigentlich noch deutlicher aussprechen soll, damit der Interpret keine versteckte Strategie hineindeutet und als Kunstgriff bewundert.

Wie gesagt: Säße ein Zuhörer im Saal, der die Sache mit der Nation anders sieht als Herr W., dem könnte der Redner hundertmal das Wir anbieten. Umgekehrt: Wer sich vom Präsidenten das nationale Gemüt pflegen lassen will, den werden auch die sprachlich gehäuften Angebote dafür nicht stören. Im Gegenteil kann der gebildete Zuhörer gar noch die eine oder andere Stilfigur beifällig erlauschen. Das ist aber etwas anderes als die alberne Vorstellung, der Zuhörer sei nicht der Meinung des Redners, gerate aber ohne es zu merken in die Umarmung der gehäuften Wir’s und sei, ob er will oder nicht, dann auf einmal vereinnahmt.

Man kann dem kleinen, aber für die Gangart rhetorischer Deutung sehr typischen Beispiel entnehmen, worin der groß angekündigte kritische Dreh dieser Betrachtungsweise eigentlich besteht. Mit einer Kritik des Inhalts ist er in der Tat nicht zu verwechseln. Das „Kritische“ daran ist vielmehr die Pose, dass die Deutung der Stilmittel hinter die Kulissen einer großen Kunst blickt, die Menschen zu beeinflussen und ihr Denken zu steuern. In der Sache, hier also der von W. gezogenen Lehre aus der Nazivergangenheit, sieht der Interpret jedenfalls keinerlei Kritikbedarf, sie steht als Denkvorgabe des demokratischen Grundkonsenses außer Zweifel.

Dabei ist dieses sich kritisch verstehende Durchblickertum stets voll der Anerkennung für die vermeintliche Wortgewalt der Mächtigen.

3. Der Zuhörer will eingeseift werden?

Das Moment der Anerkennung gilt soweit selbst für politisch geächtete Redner. Denn gerade auch in ihren Reden findet der für unsere Demokratie eingenommene Liebhaber der Rhetorik die (in dem Fall gefährliche) Kunst der Massenbeeinflussung vor. Von daher lassen sich also mittels der so kritischen rhetorischen Analyse die Rattenfänger von den guten Verführern gar nicht unterscheiden. Das gibt der Vertreter seines Fachs selbst zu, wenn er betont: „Eine gute und überzeugende Rede muss (…) auch textexternen (!) wie politischen oder moralischen Anforderungen genügen“. [6] Am besten, man legt also vor der Textanalyse die Schublade der Gesinnungs-Sortierung gleich fest, wofür die Einschätzung der so genannten „Rednerrolle“ vorgesehen ist. Als Handreichung für Herrn Weizsäcker lernt man da:

„Richard von Weizsäcker ist der höchste politische Repräsentant Deutschlands, er besitzt politische (Welt-)Erfahrung, ohne sich parteipolitisch zu binden und eine umfassende Bildung. Das äußere Erscheinungsbild (…) ist geprägt durch Würde. (…) gilt als sehr guter Redner, ist (…) moralisch engagierter und an der Jugend interessierter Ratgeber, verantwortungsbewusster Politiker, gläubiger Christ, wahrheitsliebender Mahner.“ [7]

Na dann. Umgekehrt fasziniert den Demokraten an den rhetorischen Bösewichtern (Faschisten, Kommunisten, Islamisten) die gelungene Massenbeherrschung durchaus. Diese setzt er mit der Wirkung des rhetorischen Stils in eins, was gelegentlich groteske Blüten treibt. Wenn sich ein Goebbels eingebildet hat, er hätte seine Zuhörer kraft seiner Worte sogar vom Hochhaus springen lassen können, schenken dem (wohl nur) Deutschlehrer Glauben und sehen darin eine, wenngleich moralisch negative, historische Sternstunde dessen, was rhetorische Manipulation vermag.

Manipulation entdecken sie nämlich nicht nur seinerzeit im Reichssportpalast, sondern sehen sie letztlich als den Kern jeder Rhetorik an. Im Lichte der modernen Rhetorik-Theorie verliert das Wort etwas vom bösen alten Klang und wird eher wertfrei zu einer Konstante des zwischenmenschlichen Umgangs erklärt. Ganz abgeklärt konstatiert nämlich der Fachmann, dass es selbst so „wahrheitsliebenden“ Rednern wie Weizsäcker letztlich nicht um Wahrheit gehe, sondern darum, die Zuhörer zum eigenen Standpunkt zu „überreden“. (Was in Weizsäckers Fall – siehe oben – natürlich Demagogie zum Besten des Volks ist.) Zwar ist auch dem Rhetoriker der Unterschied von überzeugen und überreden bekannt, er erklärt ihn aber rhetorisch gesehen für belanglos, da die Wahrheit grundsätzlich relativ und Argumentation eine Frage der Überredungstechnik sei:

„Die Grenzen zwischen Überredung und Überzeugung sind nicht immer klar erkennbar. Selbst derjenige, der zu überzeugen versucht, gebraucht nur relativ objektive Argumente. Auch ihm geht es letztlich darum, eine im Kern nur subjektiv richtige Ansicht durchzusetzen. (…) In echten Reden dienen auch Argumentationstechniken subjektiven Zielen. Insofern unterscheiden sie sich in ihrer Funktion nicht wesentlich von Überredungstechniken.“ [8]

Demzufolge kommt es also sowieso nicht darauf an, ob es stimmt, was man sagt. Vielmehr darauf, dass man sich beim Mitmenschen mit seiner Position durchsetzt. Diese zynisch anmutende Betrachtungsweise passt zu einer unvernünftigen Gesellschaftsordnung, in deren Machthierarchie und Konkurrenzgetriebe Vernunft und Argument als Ausweis der Richtigkeit von Interessen in der Tat nichts zählen. Der Vertreter der Überredungsschule jedenfalls sieht in seinem Gemälde rhetorischer Demagogie gar keine Unsitte, sondern eine urmenschliche Wesensart am Wirken. Also konstruiert er sich zu seinem Bild vom Redner als gewitztem Vereinnahmungstechniker spiegelbildlich einen Zuhörer, der – wieder nur allzu menschlich – exakt danach verlangt:

Für das Gelingen der Rhetorik zentral ist die „Darstellung des eigenen Standpunkts als(!) vernünftig. Der Mensch neigt dazu, dem zu vertrauen, was ihm als vernünftig erscheint(!).“ [9]

Wo also aus rhetorischer Sicht noch von Vernunft die Rede ist, ist sie selbst zu einem Stilmittel heruntergebracht, zur Technik, sie gekonnt vorzutäuschen. Und zwar einem Zuhörer, der seinerseits nichts anderes will als eben auf diese Weise eingeseift werden. Dabei fasziniert offenbar die Vorstellung, Redner könnten den Willen der Massen steuern, ohne dass die es bemerken und wollen. In Wahrheit geht das nicht. Wenn das rhetorische Mittel wirken soll, muss es der Zuhörer schon mitkriegen. Bemerkt er es gleich gar nicht, kann es auch nicht wirken. Vielleicht glauben ja die Berufsinterpreten, dass ein Stilmittel nur wahrnimmt, wer es wie sie auf Griechisch benennen kann, dass aber dessen Wirkung umso mehr ausgeliefert sei, wer das nicht in der Schule gelernt hat. Jedenfalls fällt auf, dass genau diejenigen, die an die Macht der so genannten Manipulation glauben, andererseits die einzigen sein sollen, die ihr nicht zum Opfer fallen.

Dieses selbstgefällige Bild, das sich die künftige Elite der Abiturienten von den steuerbaren, willenlosen Untertanen machen soll, hat im Übrigen auch in den hierfür strapazierten Nazi-Reden keinen ernstzunehmenden Beleg. Auch ein Redner Goebbels hat die Zuhörer nicht dirigiert wie der Dompteur seine Viecher, sondern eine politische Stimmung abgeschöpft, die das Ergebnis jahrelanger staatlicher Gewalt und der sie begleitenden Propaganda war. Also der Agitation eines Staatsvolks, dem die verkehrten, weil nationalistischen Argumente seiner Führer einleuchteten und das dann die Politik seiner Führung eben auch willentlich mitmachte.

4. Fazit

Man sollte also so viel Realismus aufbringen festzustellen, dass der Einfluss weltbewegender Reden wenn, dann schon am Inhalt der Botschaft zu erklären ist. Im Übrigen heißen die politischen Gewalthaber nicht zufällig so und verlassen sich nicht gerade auf die „Macht“ ihrer Worte allein. Wenn sie sich aber wortreich an ihr Volk wenden und dabei ihre Redenschreiber die inhaltlichen Zumutungen auch noch mit einer entsprechenden Darstellungsform unterstreichen und pointieren, dann beachtet oder goutiert dieses Zierwerk doch auch nur der, der sich den Inhalt einleuchten oder gefallen lässt. Diesbezüglich kommt also der Geschmack zu ein wenig Recht, weswegen man aus Stilfiguren aber nicht gleich den eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung machen sollte. Wenn dagegen die Liebhaber der rhetorischen Zunft die Rede als ein „künstlerisches Gebilde aus Ton- und Wortfolgen“ [10] interpretieren, dann halten sie das für so entscheidend, weil sie genau diesen Wortspielereien ein tieferes Weißwarum zuschreiben: die heimliche Beeinflussung, welche sich dem Willen und Bewusstsein entziehen, aber auf beide eine immense Wirkung haben soll.

Die Wahrheit sieht etwas anders aus. Selbst wenn es so ist, dass Kanzlerkandidaten vor dem Fernsehduell – wie man hört – Rhetoriker zu Rate ziehen, und selbst angenommen, der rhetorische Schliff sollte vermittels des Wählergeschmacks am Ende sogar entscheiden, wer den besseren „Demagogen“ gibt und deshalb gewinnt, dann sähe man auch daran erstens: dass es schon den Willen eines Wählers dazu braucht, sich solche Veranstaltungen anzutun und sich die kleine Geschmacksfreiheit zu gestatten, die eine oder andere rhetorische (Sch)Leimerei sympathischer oder unsympathischer zu finden. Dass es offenbar besonders gebildete Untertanen im Publikum gibt, die das Führungspersonal dafür bewundern, wie es sein Volk (außer natürlich sie selbst) einseift. Und zweitens: dass sich an der Rhetorik für deren so genannte Opfer in der Sache eben mit Gewissheit nichts mehr entscheidet. Weil mit Merkel her, Schröder hin alles Wesentliche sowieso entschieden ist.


[1] B. Prem: Reden. 11.-13. Schuljahr. Analyse und Interpretation. Stuttgart 2000, S. 6

[2] Ebenda

[3] Aus Richard v. Weizsäckers Rede zum 8.5.1985 (hier zit. nach: Texte und Methoden 12, Lehr und Arbeitsbuch Deutsch, 1994, S. 26)

[4] Ebenda, S. 22

[5] Texte und Methoden 12, Lehrerhandbuch, 1994, S. 21

[6] Texte und Methoden 12, Lehr- und Arbeitsbuch Deutsch, S. 23

[7] Texte und Methoden 12, Lehrerhandbuch, 1994, S. 20

[8] Prem, S. 27 u. 110

[9] Prem, S. 112

[10] Prem, S. 39


Internet-Adresse dieses Textes: http://www.arguschul.net/Deutsch/Rhetorik.html

©  2015, Redaktion „Argumente zur Schule“, Stand: 2015-01-26zum Anfang der Seite