Argumente zur Schule   –  Kritische Gedanken zur Schule und ihrem Lernstoff

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Der Soldat

Soldaten stehen im Krieg auf beiden Seiten der Front. Ihr Handwerk ist jeweils das gleiche, der Arbeitsplatz heißt hüben wie drüben das Feld der Ehre. Und da macht man keinen Job oder Beruf im üblichen Sinn des Worts.

1. Gewaltanwendung ist jedem verboten, dem Soldaten aber Pflicht

Das normale Leben folgt Recht und Gesetz, wie jeder weiß. Gewalt gegen andere ist verboten – jedenfalls private Gewalt. Konflikte müssen mit sog. friedlichen Mitteln ausgetragen werden, d.h. wer einem Feind oder Konkurrenten ans Leder will, darf nur versuchen, die juristische Gewalt auf ihn anzusetzen. Den anderen umzubringen ist eine der größten Untaten. Nicht so beim Soldaten: Das Töten ist für ihn eine Pflicht, im Krieg findet es massenhaft und effektiviert statt. Dabei wird den Soldaten allerdings nicht der Mord erlaubt, auf den, wie gesagt, strenge Strafe steht. Wo der Mörder persönliche Gründe hat, jemand, der seinem Glück im Wege steht, umzubringen, hat der Soldat keinerlei Verhältnis zu seinen Opfern - außer dem einen, dass diese Leute die Uniform ihres Vaterlandes tragen, so wie er, nur eben die eines anderen Staates.

Ein ganzes Repertoire von Gewalttaten muss er dazu als sein Kriegshandwerk „erlernen“, vom individuellen Töten feindlicher Soldaten bis hin zum anonymen Massenmord durch Abwerfen von Bomben, bei dem ihm in sicherer Flughöhe der Anblick der mörderischen Wirkungen erspart bleibt. Das Ersparen verdankt sich aber keinesfalls der Rücksicht auf sein zartes Gemüt. Solche Schwächen gewöhnt man ihm möglichst schon in der Ausbildung ab und betreut ihn neuerdings auch mit Militärpsychologen.

2. Soldaten brauchen ein Feindbild, sollen ihren Hass aber unter Kontrolle haben

Für das Töten im Krieg haben Soldaten keinen persönlichen Grund. Sie kämpfen gegen Leute, zu denen sie von sich aus gar keine Feindschaft haben. Die Bereitschaft, das Leben von Unbekannten auszulöschen, käme nicht zustande ohne ein Bild vom bösen Feind, der Landsleute und Kameraden umbringt und daher den Tod verdient. Das offizielle Feindbild gehört also zur Ausstattung des Soldaten. Der Krieg selbst produziert dann jede erdenkliche schlechte Erfahrung mit dem Feind, die soll der Soldat sich als Grund der gerechten Feindschaft einleuchten lassen. Von solchen ideologisch erzeugten Motiven hat der Soldat sich zur Erfüllung seines staatlichen Auftrags aufhetzen zu lassen, nicht aber zu persönlichen Racheakten und nicht angeordneten Gräueltaten. Er soll einerseits den staatlichen Auftrag mit dem vollen Einsatz seiner Person vollstrecken. Andererseits soll er gleichsam kühl und sachlich töten und sich nicht von seinem Hass auf den Feind zu „Exzessen“ verleiten lassen. Diese „Übergriffe“ heißen genau dann so, wenn sie nicht angeordnet sind. Dann hat der Soldat eventuell Pech gehabt und seine Heldentat heißt plötzlich „Kriegsverbrechen“ und wird von einem Kriegsgericht geahndet, sei es dem des eigenen oder dem des siegreichen feindlichen Staats.

Dafür gibt es ein internationales Regelsystem für den Kriegsfall, mit dem unnötige (will sagen: für den Erfolg im und nach dem Krieg nicht sachdienliche) Gewalt vermieden werden soll, etwa die Vorgabe, dass man gefangen genommene und daher außer Gefecht gesetzte feindliche Soldaten nicht umbringen darf.

3. Soldaten sind Gewalttäter und -opfer, die Ehre verdienen

Natürlich produziert der Soldat nicht nur Opfer auf Seiten des Feindes, er muss auch bereit sein, im äußersten Fall sein eigenes Leben zu opfern. Zwar wird dem Staatsbürger auch im zivilen Leben manches Opfer zugemutet, aber das wird stets in ein Verhältnis zu seinen persönlichen Berechnungen gerückt. Im Ernstfall des Kriegshandwerks haben all die Anliegen des bürgerlichen Fortkommens nichts mehr verloren. Auch wenn das menschliche Leben der bürgerlichen Gesellschaft als allerhöchster Wert, als staatlich garantiertes „Recht“, gilt, wird wohl keiner auf die Idee kommen, an der Front sein „Recht auf Leben“ einzuklagen. Eine Konsequenz daraus lautet: Ob Abtreibung, Sterbehilfe oder Heldentod – stets will der Staat das letzte Wort über Leben und Tod seiner Untertanen haben.

Soldat sein schließt also das Töten wie auch die Selbstaufgabe auf Befehl ein. Von Anfang an ist klar, dass dieser Befehl einen höheren, staatlichen Sinn hat. Soldaten sind Instrumente der gewaltsamen Durchsetzung ihres Staates gegen andere Staaten. Offiziell klingt das immer anders: Verteidigung des eigenen Landes gegen einen Angreifer ist geboten, sei es ein aktueller oder ein potenzieller Angreifer. Klar ist jedenfalls: Staatlich verfasste Gemeinwesen kennen keinen höheren Zweck als den, der volkstümlich „Rettung des Vaterlandes“ heißt. Wenn der Soldat dafür tötet oder stirbt, zeigt er die höchste Staatsbürgermoral überhaupt.

Deshalb wird von Seiten der politischen Führung für das hohe Ansehen der Soldaten nach Kräften geworben: Unsere Jungs in Afghanistan oder sonstwo auf der Welt, wo die deutsche Freiheit verteidigt wird. Ihr Beitrag zum Sieg ebenso wie ihr erzwungenes Opfer wird als freiwillig erbrachter Dienst an der Gemeinschaft gewürdigt, dem das Vaterland Dank und Ehre schuldet, wofür es eine spezielle Art Grab und die Anteilnahme des Kriegs- – pardon! – des Verteidigungsministers gibt.


Internet-Adresse dieses Textes: http://www.arguschul.net/Politik_Gesellschaft/Soldat.html

©  2015, Redaktion „Argumente zur Schule“, Stand: 2015-01-26zum Anfang der Seite