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Ein paar allgemeine Wahrheiten über den Kapitalismus und seine Krisen

Boom und Krise wechseln einander ab: Das gehört zu den allgemein bekannten Erfahrungstatsachen im System der Marktwirtschaft. Auf einen mehrjährigen Aufschwung des kapitalistischen Geschäftslebens folgt eine Phase, in der die Gesamtabrechnung über den Umsatz von „Gütern und Dienstleistungen“ über etliche Monate und Quartale hinweg statt einem Plus ein Minus verzeichnet: ein Abschwung, der Unternehmen in größerer Zahl zusammenbrechen lässt, das Heer der Arbeitslosen drastisch vergrößert und aufzehrt, was sich eventuell inzwischen an Lebensstandard bei der lohnabhängigen Bevölkerung angesammelt hat. Dabei ist es gar nicht so, dass in den marktwirtschaftlichen Produktionsstätten und Handelshäusern der Mangel ausgebrochen, der Nachschub ausgeblieben oder wegen fehlenden Personals die Arbeit eingestellt worden wäre. Im Gegenteil: In der Krise gibt es von allem – Produktionsmittel, Fertigwaren, Arbeitskräfte – mehr als genug. Was immer wieder ins Stocken gerät, ist aber der Absatz: Zuviel Ware ist im Angebot, als dass sie sich noch zu gewinnbringenden oder auch nur kostendeckenden Preisen verkaufen ließe. Und das ist im menschenwürdigsten aller Produktionssysteme kein erfreulicher Überschuss, sondern für die Macher ein Problem und für das Fußvolk ein Schaden: Nichts geht mehr voran, weil der Markt, nach dem dieses Wirtschaftssystem sich gerne nennt, den Dienst versagt, für den die Geschäftswelt ihn in Anspruch nimmt und auf den für sie alles ankommt, nämlich die Verwandlung ihrer „Güter und Dienstleistungen“ in nachzählbaren Reichtum der abstrakten Art: in Geld.

Dass es dazu kommt, ist insofern erstaunlich, als die Unternehmen der Marktwirtschaft gar nichts anderes tun, als für den Markt zu produzieren und Handel zu treiben; sie unternehmen alles, um dabei Erfolg zu haben; und wenn ihr Geschäftsgang in die Krise gerät, dann haben sie genau das in den Boom-Jahren zuvor auch offensichtlich geschafft. Zwar waren auch da schon nie alle aktiven Marktteilnehmer erfolgreich; die Konkurrenz, die die Firmen einander machen, bringt immer, in jeder „Konjunkturphase“, auch Verlierer hervor. Das heißt aber andererseits: Die Rezession trifft die Erfolgreichen, die die Auslese am und durch den Markt überstanden und sich gegen ihre Wettbewerber durchgesetzt haben. Die Erfolgsstrategien marktwirtschaftlicher Geschäftemacher müssen also einen Haken haben.

Für den haben die Verwalter, Macher und Nutznießer dieses ökonomischen Systems freilich keinen Sinn, die verwalteten und ausgenutzten Insassen genauso wenig. Und für die Frage nach einem systemeigenen Grund für die regelmäßige Entgleisung des Marktgeschehens haben sie auch keine Zeit übrig. Denen ist es viel wichtiger, dass die Krise schnell vorbei ist und der nächste Boom wieder losgeht. Deswegen konzentrieren sich die Sachverständigen und „Wirtschaftsweisen“ darauf, die Geschäftsbedingungen zu benennen, deren Verbesserung dem allseitigen Gewinnemachen wieder auf die Beine helfen sollte, Geschäftswelt und Wirtschaftspolitik fordern energisch neue Erfolge.

Manche Ratgeber empfehlen die „Ankurbelung der Nachfrage“ durch staatliche Ausgabenprogramme, andere wenden sich dagegen, weil solche Programme die Staatsschulden vermehren und oft bloß ein „Strohfeuer entfachen“, also wirkunglos sind. Die Gewerkschaften schließen sich solchen Forderungen gern an und rufen nach Stärkung der Massenkaufkraft, also nach Lohnerhöhungen. Die Tatsache, dass ihre Mitglieder schlicht mehr Geld brauchen, machen sie verräterischerweise nur so zum Argument: Wenn mehr eingekauft wird, dann ist das gut für die Bilanzen der Unternehmer. Dieser konstruktive Wunsch wird trotzdem immer sofort als untaugliches Rezept entlarvt. Unternehmer wie Politiker wissen genau, dass nun die Kosten sinken müssen, und dafür ist Bescheidenheit bei den Löhnen und Großzügigkeit bei der Arbeitszeit gefragt. Damit die Unternehmer kostensenkend in den Betriebsablauf eingreifen können, brauchen sie Kredite für „Rationalisierungen“, um durch den Einsatz neuester Produktionstechniken und die Einsparung von Personal wieder „in die Gewinnzone zu kommen.“ Das sind zwar genau die Konkurrenzmethoden, die die vom Abschwung betroffenen Unternehmen ohnehin schon immer anwenden und bis zuletzt mit Erfolg angewendet haben. Aber genau die sollen es sein, die aus der Krise herausführen, da sind sich Kapitalisten und Sachverständige einig. Die kennen nun mal keinen anderen als den marktwirtschaftlichen Erfolgsweg. Deshalb verbietet sich für sie der Gedanke, dass das Kapital eben mit diesen Erfolgsmethoden seinem Wachstum selbst immer wieder Grenzen setzt.

Dabei braucht es für diese Erkenntnis wirklich keine Geheimwissenschaft.

Die Unternehmen führen ihren Konkurrenzkampf mit dem Einsatz ihres Kapitals gemäß der fraglos feststehenden Erfahrungstatsache, dass mehr Geld mehr Gewinn verspricht, und zwar nicht bloß, weil mehr Umsatz gemacht wird. Firmenchefs wissen, dass hinreichend große Investitionen geeignet sind, ihre Rendite zu steigern: Technischer Fortschritt, neue Maschinen und Verfahren lassen sich – wie alles in der Marktwirtschaft – kaufen. In dem Maß, wie sich dadurch der Kostpreis der Ware senken lässt, steigt bei gleich bleibendem Marktpreis der Gewinnanteil. So wächst die Macht des Unternehmens, durch eine Preissenkung Marktanteile zu erobern. Das bedeutet zwar einen Verzicht auf einen Teil des möglichen Profits pro Ware, aber die Masse macht es halt… Dabei ist jeder Unternehmensleitung klar, dass sie eine gehörige Portion Geld „in die Hand nehmen“ und investieren muss. Nur dann kann sie die Stückkosten ihrer Ware dauerhaft und in Konkurrenz entscheidender Weise senken. Sie steigert die Produktivität des eingesetzten Kapitals im Vergleich mit anderen Wettbewerbern nachhaltig, indem sie den Produktionsprozess technisch und organisatorisch optimiert und so die Produktivkraft der eingesetzten Arbeit erhöht. Dadurch wird ein Teil der bezahlten Arbeit überflüssig, Arbeiter können entlassen werden und die Lohnstückkosten sinken. Wenn es außerdem gelingt, die kostspielig erneuerten Produktionsanlagen ohne zusätzlichen Aufwand an Arbeitskosten maximal auszulasten, so dass die Investition sich schnell amortisiert, dann ist der Erfolg komplett.

Der Erfolg währt allerdings nur so lange, bis die Konkurrenz nachgezogen hat. Die macht nämlich dasselbe, gleicht dadurch ihre Kostennachteile aus und sorgt für ein neues niedrigeres Preisniveau. Von den Extra-Gewinnen der ersten Phase bleibt dann nichts mehr übrig – ein Effekt, den die Beteiligten aus Erfahrung kennen und mit dem sie fest rechnen. Deswegen hören die entsprechenden Konkurrenzanstrengungen auch nie auf.

Was dabei auf jeden Fall bleibt, ist auf der einen Seite die Verringerung der Arbeitskosten pro verkäufliche Ware, auf der anderen Seite die Absenkung des Verkaufspreises. Erhalten bleibt auch der vermehrte Kapitalaufwand für die technisch verbesserten Arbeitsplätze. Die anfängliche Steigerung der Rendite wird so aber jedesmal wieder zunichte gemacht. Mehr noch: Durch die Verschiebung im Verhältnis zwischen Vorschuss und dauerhaft erzielbarem Gewinn wird sie sogar ins Gegenteil verkehrt. Die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit wirkt also dem beabsichtigten Effekt – höhere Rendite und beschleunigtes Wachstum – zugleich entgegen.

Unmittelbare Ursache für dieses paradoxe Ergebnis ist also der Markt, genauer gesagt die Konkurrenz um die begrenzte Zahlungsfähigkeit der Konsumenten. Die wird durch die Anstrengungen zur Verbilligung der Produktion und der Produkte keineswegs gestärkt. Zum einen vermindert der „Arbeit sparende technische Fortschritt“ die Zahl der Lohnarbeiter, eben durch die besagte Rationalisierung in den erfolgreichen Betrieben, in den unterlegenen Firmen oft sogar durch eine Betriebsschließung. Was dann wiederum einen spürbaren Druck auf die Löhne ausübt: Zunehmende Arbeitslosigkeit vermindert, gesamtgesellschaftlich betrachtet, auch das dem Publikum verfügbare Einkommen. Zum andern verschwindet mit den kaputt gegangenen Konkurrenten auch deren Zahlungsfähigkeit vom Markt für Kapitalgüter und ihre Produktionseinrichtungen werden wertlos. Das vernichtet das Geldvermögen, das in diese Anlagen investiert worden ist.

Auch die zusätzliche Zahlungsfähigkeit durch die Extraprofite der Erfolgreichen ist nur ein vorübergehender Effekt. Diese Erträge suchen und finden ihren Weg in Branchen, in Kapitalanlagesphären, wo noch überproportional verdient wird. Dort wird die Konkurrenz wiederum mit denselben Methoden ausgetragen, und das trägt auch dort zur Reduzierung der Profit- und Wachstumsrate aufs marktwirtschaftliche Normalmaß bei. Insgesamt wirken die Rendite steigernden Investitionen der Betriebe jedenfalls negativ auf die Marktbedingungen zurück. Und darin macht sich eine marktwirtschaftliche Systemnotwendigkeit geltend: Über die Verteilung des Geldreichtums, den das Kapital schaffen lässt, wird schon mit der Art seiner Produktion entschieden.

Denn es ist ja so: Die Steigerung ihrer Profitrate erwirtschaften die Unternehmen durch Einsparungen am Kostenfaktor Arbeit, hauptsächlich und nachhaltig dadurch, dass sie keine Kosten scheuen, um die Arbeit, die sie brauchen, als Produktionsfaktor ergiebiger zu machen, so dass sie im Verhältnis zum erwarteten Erlös weniger an Lohn wegzuzahlen haben. Für die Unternehmensrechnung sind Arbeit als Kosten und Arbeit als Produktionsfaktor also durchaus kommensurable Größen, was auch kein Wunder ist: Das Produkt, das sie von der bezahlten Arbeit haben wollen, ist eben der in Geld gemessene Ertrag, und zwar der Überschuss über das, was die Arbeit sie kostet. Um den zu steigern, machen sie die Arbeit technisch, also in dem Sinn produktiver, dass jedes Quantum bezahlter Arbeit mehr verkäufliche Produkte hergibt, um dann doch nicht entsprechend mehr Geld zu erlösen, sondern um durch Preisnachlass die Konkurrenz zu unterbieten, und um am Ende, wenn sich ein neues niedrigeres Preisniveau eingependelt hat, die Erfahrung zu machen, dass der vergrößerten Produktenmenge pro Arbeitsquantum gar kein entsprechend vergrößerter Gelderlös entspringt.

Im Endeffekt haben sie also mit ihren „Rationalisierungen“ nicht bloß den Kostenfaktor Arbeit verkleinert, sondern mit der Arbeit zugleich die Quelle des Warenwerts vermindert, der im Verkauf der Waren zu realisieren ist. Die Unternehmer handeln nach dem Grundsatz, dass die eigentliche Quelle ihres Gewinns ihr Kapital ist und dass sie mit ihren Investitionen dessen Produktivität, dessen Ergiebigkeit als Gewinnquelle steigern; alle eingesetzten technischen und organisatorischen Hilfsmittel sind ja auch ihr Eigentum, Teile ihres Kapitals. Tatsächlich gehen sie damit aber auf die Produktivkraft der Arbeit los; und am Ergebnis zeigt sich, dass die Produktivität ihres Eigentums auf dem widersprüchlichen Gebrauch der Arbeit als Kosten- und Produktionsfaktor beruht, für den die Wissenschaft von der politischen Ökonomie des Kapitals den Begriff Ausbeutung gefunden hat.

Kredit

Das Ganze funktioniert im Zusammenwirken der „Realwirtschaft“ mit dem Finanzgewerbe, also auf Kredit; und nur dadurch bekommt der Widerspruch in der Erfolgsmethode kapitalistischer Unternehmen den Verlauf eines -– schönfärberisch so genannten – Konjunkturzyklus. Bei ihren Banken und auf dem Kapitalmarkt rüsten sich die Firmen aus den „Waren und Dienstleistungen“ produzierenden Branchen mit den Finanzmitteln aus, die sie für Investitionen in ihre Konkurrenzfähigkeit und ein aussichtsreiches Wachstum brauchen. Kredit hilft bei der Überwindung des paradoxen Effekts, in den die konkurrierenden Unternehmen sich hineinwirtschaften, dass nämlich einem wachsenden Kapitalaufwand eine tendenziell sinkende Rendite gegenüber steht:

In der unverwüstlichen Gewissheit, dass ein Kapitalvorschuss nur groß genug sein muss, um irgendwann doch absolut und relativ höhere Erträge abzuwerfen, schieben Kreditnehmer und Kreditgeber die selbst produzierten Schranken des auf Beschleunigung programmierten Kapitalwachstums weit und immer weiter hinaus. Mit den Schulden wachsen zwar die Ansprüche an die Ertragskraft der Unternehmen: Kreditgeber wollen mit Zinsen, Spekulanten mit guter „Performance“ und wachsendem „Shareholder Value“ bedient sein. Vor allem aber erwerben sich die Unternehmen mit der Verfügung über fremdes Geld die Fähigkeit, ihre Rendite zu steigern und jeden Einbruch ihrer Gewinne mit Investitionen in eine wieder bessere Zukunft zu überspielen.

Der Widerspruch zwischen Zweck und Ergebnis dieser Bemühungen um unendlich zunehmendes Wachstum wird so durch die Leistungen des Finanzkapitals in erst recht widersprüchlicher Weise aufgehoben: Er wird relativiert und zugespitzt zugleich. Die Tauglichkeit der Unternehmen für ihren kapitalistischen Zweck entscheidet sich gar nicht unmittelbar am Markt, mit der dort erzielten oder nicht erwirtschafteten Rendite, sondern im Urteil der Finanzwelt über ihre Kreditwürdigkeit oder über die Gewinnaussichten ihrer Finanztitel. Negative Befunde über einzelne Firmen ebenso wie positive Bescheide an viele andere gehören dort zum Alltagsgeschäft. Erfolge wie Niederlagen in der Konkurrenz um Profit werden in Umschuldungsverhandlungen und an der Börse weniger festgestellt als verfügt. Dasjenige Unternehmen ist zu viel und wird aus dem Verkehr gezogen, auf dessen zukünftige Profitrate keine Hausbank und kein Finanzinvestor mehr setzen mag. Generell gehen die Finanzunternehmer aber davon aus, dass Erfolg in der Konkurrenz eine Sache der richtig angewandten und vor allem hinreichend großen Kapitalmasse ist und dass die Profitvermehrung eigentlich unbegrenzt ihren Gang gehen kann und sollte. Wenn Marktschranken sich abzeichnen, ist erst einmal zielstrebiges Investieren die passende Antwort. Das folgerichtige Ergebnis ist ein Wachstum von Schuldforderungen und Vermögenstiteln, bis irgendwann die Finanzwelt an ihrer eigenen Spekulation irre wird. In der bisherigen Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise passierte das mit solcher Regelmäßigkeit, dass eben der „Konjunkturzyklus“ zu ihrem Repertoire gehört. Sie kündigt nicht bloß dem üblichen Prozentsatz von Verlierern den weiteren Kredit, sondern misstraut dem eigenen ausgiebig und erfolgreich praktizierten Standpunkt, dass die Masse der vergebenen Kredite und des in die Höhe spekulierten „fiktiven“ Kapitals eine gute und sichere Basis wäre für weiteres Wachstum in der spekulativ vorweggenommenen Größenordnung und Geschwindigkeit. Ab jetzt schränken die Banken ihre Kreditvergabe ein; die Akteure an den Kapitalmärkten halten sich mit der Vermarktung von Investments zurück und reduzieren ihre Nachfrage nach Kapitalanlagen; der Handel mit Kapital gerät ins Stocken.

Und damit bricht für die Unternehmen, die den materiellen Reproduktionsprozess der Gesellschaft zu ihrer Profitquelle gemacht haben, die „Rezession“ aus. Indem Kreditgeber und Kapitalanleger nicht mehr, jedenfalls nicht mehr in dem bisherigen und allseits fest eingeplanten Umfang, auf die Zukunft der Profitvermehrung im Geschäft mit „Gütern und Dienstleistungen“ setzen, decken sie auf, was sie da zustande gebracht haben: eine Unmasse an Kapital, das sich durch keine hinreichend lohnenden Geschäfte mehr als gutes Kreditrisiko oder als interessantes Investment rechtfertigen kann.

Lange genug hat die Geschäftswelt unter Anspannung ihrer Kreditmacht den Widerspruch in den Bemühungen um steigende Profite aus dem Geschäft mit der Ausbeutung vertagt, hat den „tendenziellen Fall der Profitrate“ auf Verlierer im Konkurrenzkampf abgewälzt, dadurch dass denen der Kredit gestrichen worden ist, und hat in Erwartung weiter aufblühender Geschäfte Schulden als Kapital investiert und akkumuliert. In der Krise überführt dieselbe Geschäftswelt mit der Stornierung und Abschreibung von Krediten und der Entwertung ihres „fiktiven“ Geldkapitals bis gestern noch verbuchte Profite in den Status einer Fiktion, die nur dank dem tatkräftigen Einsatz der Macht des Leihkapitals in Kraft war. Sie „bekennt“, zu viel Kredite aller Art in Umlauf gebracht und dadurch zu viel Kapital in Betrieb gehalten zu haben, und streicht beides zusammen. Zu einer veritablen Krise – der Branche oder des kapitalistischen Reproduktionsprozesses insgesamt – wird die Kritik des Finanzkapitals an seinen Anlagen in dem Maße, wie Kreditgeber und Investoren nicht bloß dem einen oder anderen Unternehmen misstrauen, sondern das Vertrauen in ihre eigenen Betriebe und ihre alltäglich praktizierten Finanzierungskunststücke verlieren. Als Nebeneffekt der Vermögensvernichtung werden materielle Reichtumsquellen verschrottet, Gebrauchsgüter vergammeln, und die nicht mehr benötigte lohnabhängige Masse der Gesellschaft erlebt ein Stück Verelendung – das alles jedoch für einen guten Zweck. Wenn erst einmal genug kapitalistischer Reichtum zugrunde gegangen ist, dann ist zwar der angerichtete materielle Schaden am Menschenmaterial des Systems nicht mehr gut zu machen; aber fürs Geschäftsleben sind auf reduzierter Stufe die Erfolgsbedingungen wieder hergestellt. Konkurrenz und Spekulation können wieder loslegen.


Internet-Adresse dieses Textes: http://www.arguschul.net/Wirtschaft/Krise.html

©  2015, Redaktion „Argumente zur Schule“, Stand: 2015-01-26zum Anfang der Seite